Die Gutenbrunner Quelle steht am Anfang der Geschichte des Ortes. Sie gab Gutenbrunn seinen Namen, zog über Jahrhunderte Wallfahrer an und machte die kleine Waldviertler Siedlung zeitweise als Gesundheitsbad bekannt. Noch heute erinnert die Brunnenfassung gegenüber der Pfarrkirche an diese besondere Vergangenheit.
Die Quelle gab Gutenbrunn seinen Namen
Die älteste bekannte Erwähnung Gutenbrunns aus dem Jahr 1556 bezieht sich auf eine Quelle am Wallfahrtsweg durch das Waldviertel nach Mariazell. Damit ist die Quelle älter als viele der heute prägenden Gebäude des Ortes.
Ihr eisenhaltiges Wasser begründete den Ruf des „guten Brunnens“. Aus der Bezeichnung der Quelle entwickelte sich schließlich der Ortsname Gutenbrunn.
Die heute sichtbare Brunnenfassung befindet sich gegenüber der Wallfahrts- und Pfarrkirche. Ihr markantes, kuppelförmiges Dach und die runde Einfassung aus Granitsteinen machen sie zu einem unverwechselbaren Bestandteil des historischen Ortsbildes.
Die Legende von der Heiligen Familie
Um die Gutenbrunner Quelle ranken sich mehrere religiöse Überlieferungen. Eine Legende führt ihre besondere Bedeutung bis in das frühe 15. Jahrhundert zurück.
Während der Hussitenzeit soll die Heilige Familie der Erzählung nach aus Böhmen in Richtung Mariazell gezogen sein. Nach einer Rast in Schönbach habe sie auch an der Quelle in Gutenbrunn Halt gemacht. Seit dieser Zeit wurde dem Wasser in der religiösen Überlieferung eine besondere Bedeutung zugeschrieben.
Diese Erzählung ist ein Teil der Wallfahrtstradition und keine historisch nachweisbare Begebenheit.
Der Hirtenbub und das Marienbild
Eine weitere örtliche Legende erzählt von einem Hirtenbuben, der nach einer verschwundenen Kuh suchte. Das Tier soll immer wieder zur Quelle zurückgekehrt sein, um dort zu trinken.
Am Grund des Wassers habe der Bub schließlich das Bild der stillenden Gottesmutter entdeckt. Dieses Motiv wurde zum Gnadenbild von Gutenbrunn und ist heute in der Wallfahrtskirche zu sehen.
Manche Überlieferungen datieren dieses Ereignis ungefähr auf das Jahr 1726. Rund zwei Jahrhunderte nach der ersten urkundlichen Erwähnung der Quelle entstand an dieser Stelle eine Kapelle. Gutenbrunn entwickelte sich danach zu einem bekannten Wallfahrtsort.
Vom Wallfahrtsort zum Gesundheitsbad
Nicht nur die religiöse Bedeutung zog Menschen nach Gutenbrunn. Wegen des Eisengehalts der Quelle entwickelte sich der Ort zu einem damals viel besuchten Gesundheitsbad.
Zu den Gästen gehörte auch der spätere österreichische Kaiser Franz I. Er erwarb das Gut Gutenbrunn im Jahr 1795 und verband es mit seinen Besitzungen an der Donau. Um 1800 veranlasste er den Neubau der Pfarr- und Wallfahrtskirche „Maria Heimsuchung“.
Wallfahrt, Badebetrieb sowie die wachsende Holz- und Glasindustrie trugen wesentlich zur Entwicklung Gutenbrunns bei.
Die Brunnenfassung im Ortszentrum
Der Brunnen befindet sich gegenüber der Pfarrkirche und ist bei einem Spaziergang durch das Ortszentrum kaum zu übersehen. Seine heutige Gestaltung wird dem Künstler Professor Leopold Schmid zugeschrieben, der ab den 1960er-Jahren in Gutenbrunn lebte.
Kennzeichnend sind:
- die runde Einfassung aus Granitsteinen,
- die dunklen hölzernen Stützen,
- das kuppelförmige Metalldach,
- sowie die traditionelle Gestaltung, die sich harmonisch in den Ortskern einfügt.
Die Quelle ist ein schöner Platz zum kurzen Verweilen und ein idealer Ausgangspunkt für einen historischen Rundgang durch Gutenbrunn.
Wichtiger Hinweis zum Quellwasser
Historische Berichte und religiöse Legenden schreiben dem Wasser besondere beziehungsweise heilbringende Eigenschaften zu. Daraus lässt sich jedoch keine medizinische Wirkung ableiten.
Die historische Bezeichnung als Heilquelle ist daher im Zusammenhang mit der damaligen Wallfahrts- und Badekultur zu verstehen. Ob das Wasser aktuell als kontrolliertes Trinkwasser ausgewiesen ist, sollte anhand der Beschilderung vor Ort oder bei der Marktgemeinde erfragt werden.
Historischer Rundgang durch Gutenbrunn
Von der Gutenbrunner Quelle erreichen Sie mehrere Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß:
- die Wallfahrts- und Pfarrkirche „Maria Heimsuchung“,
- das Schloss Gutenbrunn,
- das Museum und die Bühne Truckerhaus,
- das Inhalatorium mit Kneippanlage,
- sowie weitere historische Gebäude im Ortszentrum.
Die Quelle lässt sich außerdem mit dem „Tut gut!“-Schritteweg rund um Gutenbrunn verbinden. Der leichte Rundweg ist rund 4,6 Kilometer lang und führt durch die ruhige Waldviertler Landschaft.
Weitere Ausflugsideen finden Sie in unserer Übersicht Ausflugsziele in Gutenbrunn – Urlaub direkt vor der Haustür.
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